Tag 17
Das lange Warten ...

vor dem Fahrradladen in Mulhouse

... hat einfach kein Ende!

Frohen Mutes und sehr erleichtert (endlich geht's wieder weiter) schwingen wir uns am Dienstag auf die Fahrräder. Wobei ich schwinge nicht, ich hechte. Und die bessere Hälfte schwingt auch nicht, er klettert vorsichtig. Also, okay, schwingen nehme ich zurück: Wir fahren einfach wieder los. So ist es besser. Schon die ersten paar Meter tun total gut. Stolz zeige ich der besseren Hälfte meine "Hood", die ich mir die letzten Tage hier erobert habe. Er ist begeistert. Ist ja auch kein Wunder, denn er sieht zum ersten Mal seit 3 Tagen etwas anderes, als den kleinen Cosmos des Campingplatzes. Die Zivilisation erfreut in sehr und obwohl er noch ein bisschen wackelig und vorsichtig fährt, gefällt ihm auch das Fahrradfahren. Dementsprechend aufgedreht radeln wir zum Fahrradladen und trauen unseren Ohren nicht: Sie reparieren mein Rad, aber es wird erst um 18.00 Uhr abends fertig sein. Es ist 11 Uhr morgens und schon wieder schwindet mein eigentlich unerschütterlicher Optimismus. Was soll denn dieses ganze lange Warten immer? Ich kann nicht mehr! Ich bin einer der ungeduldigsten Menschen, die es gibt auf der Welt und man sperrt mich hier seit 3 Tagen auf einen Campingplatz ein und lässt mich aufgrund von Feiertagen nicht mehr weiterfahren. Das kann doch alles nicht wahr sein. 

Aber wir haben keine Wahl. Das Fahrrad muss repariert werden und der andere Fahrradladen hatte mir am Freitag schon gesagt, dass er das Fahrrad erst am DONNERSTAG fertig kriegen würde. Ich wusste damals nicht, ob ich heulen, oder einen Wutanfall bekommen sollte. Letztendlich tat ich einfach beides gleichzeitig. 

Von daher sollte ich mich wohl über Dienstag Abend freuen. Ich versuche es ja. Es gelingt mir aber nicht so gut. Nicht so gut, wie der besseren Hälfte in jedem Fall. Der entdeckt eine Laterne und einen Baum und freut sich seines Lebens.

Siehe hier:

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Ja, dass ist die bessere Hälfte. Der macht, ohne sich je zu beschweren, immer das Beste aus den miserabelsten Situationen. Ich bin nicht so. Ich habe, wie gesagt, diese wahnsinnige Ungeduld, und hohe Ansprüche und Erwartungen, die es mir oft erschweren mich mit ungewollten Gegebenheiten zu arrangieren.

Während die bessere Hälfte fröhlich baumelt, finde ich in der Nähe ein Stück Wiese. Ich breite unser groundsheet (Plane zum Unterlegen für das Zelt) aus und versuche mich dort auch ein wenig lang zu machen. Irgendwann habe ich so einen komischen Geruch in der Nase und realisiere, dass überall um mich herum kleine Hundehaufen liegen. Das scheint hier wohl die beliebteste Hundewiese in der City zu sein. Tja, so ist das, wenn man Ansprüche hat und immer nach dem Besten sucht. Da gehen auch viele Dinge in die Hose -oder eben auf die Hundewiese. Manchmal sollte ich mich wohl einfach an einem Baum und einer Laterne erfreuen. Das habe ich jetzt gelernt.

Irgendwann als es immer heißer wird, flüchten wir in ein Café mit WLAN und Steckdosen und nerden da die letzten 2 Stunden ab ... bis es endlich ... ENDLICH 6 mal klingelt an der Kirchturmuhr und ich mein heißgeliebtes Fahrrad wieder in den Händen halte. Die Fahrradtypies regen mich komplett auf, weil sie einen viel zu hohen Preis verlangen und blöde Witze über unser Gepäck machen. Das sind so ein bisschen Hipster Typen, und ich will jetzt hier nur noch raus. Endlich wieder auf meinen Sattel und pedalieren. Ich knalle ihm das Geld auf den Tresen und schon bin ich weg. Wutschnaubend trete ich in die Pedale. Die haben mich so aufgeregt, in dem Laden!

Und während ich diese Zeilen hier schreibe fällt mir wieder ein, dass ich denen unbedingt noch die schlechteste Bewertung auf diesem Planeten reindrücken muss. Das muss ich jetzt gleich mal machen, deswegen hier nur noch in Kurzform:

  •  Nach 25 km aggro fahren merke ich erst, dass mein Sattel viel höher ist als vorher

  • Es ist natürlich keine Werkstatt weit und breit und mein Hintern schmerzt noch mehr als vorher

  • Wir finden zum Glück, die beste Wildcamping stelle ever

  • "Cycles Beha" in Mulhouse bitte ab jetzt boykottieren. Danke!

 

 

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