Tag 19
Alles geht und dreht sich um die Wurst ...

... das haben wir nun auch kapiert!

Und zwar um die französische Merguez-Wurst, damit das auch gleich klar ist. Es geht hier nicht um die deutsche Wurst. Die Merguez-Wurst ist ein himmelweiter Unterschied.

Siehe Bild (Hallo!):

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Aber bevor es (sabbernder Weise) zum Highlight des heutigen Tages geht, versuche ich nochmal Revue passieren zu lassen, wie wir in diesem (Merguez-)Paradies gelandet sind:

Gestern sind wir mit Hilfe unserer letzten Kräfte und einem Jungen, der sich auf sein Kinder Mountainbike geschwungen hat, um uns die letzten Kilometer zu begleiten, auf diesem traumhaften Campingplatz im wunderschönen Mandeure gelandet. Wir verlieben uns sofort in die herrliche angenehme Ruhe, die hier herrscht, den Wahnsinnsausblick, die besten Duschen UND den Preis: alles für schlappe 5 Euro!

Wir sind wirklich im Paradies gelandet und ohne darüber zu reden ist am heutigen Morgen klar: Wir brechen nicht gleich wieder auf, sondern wollen hier ein bisschen verweilen.

Den Vormittag verdösen wir nach einer herrlichen Dusche mit unserem Hörspiel, das wir uns nun schon ein paar Abende lang immer im Zelt anhören. Julia & Romeo - eine Neuauflage des Klassikers aus der Sicht der Julia. Da wir immer wieder einschlafen, ist es sozusagen ein Endlos-Hörspiel. :-)

Ach, es ist einfach wunderschön, wohlriechend und dösend den Vormittag zu verdaddeln.

Wir wissen allerdings auch, dass es bald schon wieder losgeht, mit dem "Kampf um die Nahrungsaufnahme."

Wie gerne würden wir hier heute einfach so liegen bleiben ... und vielleicht Roomservice genießen? ... Hat das schonmal jemand gehört auf dem Campingplatz? Nein? Mist! Der Hunger und der Durst werden kommen, das ist mal sicher und deswegen rappeln wir uns auch irgendwann auf. Ab in die gnadenlose Mittagshitze, was soll's! Wir schleichen durch den riesigen "Super U" (Supermarkt in Frankreich), auf der Suche nach einem Mahl für unsere Campingküche - ein teilweise sehr schwieriges Unterfangen, denn:

 

1.) Haben wir nur sehr limitiertes Campinggeschirr (1 kleinen Topf und eine ebenso kleine Pfanne)

 

2.) Schleichen wir auf Tour meistens SEHR hungrig durch die Regale und müssen uns immer wieder bremsen, weil wir kaum auf Vorrat kaufen können, denn ...

 

3.) ... wir haben keinen Kühlschrank und ...

 

4.) ... wollen und können nicht zu viel mitschleppen in unseren Fahrradtaschen

5.) Sind wir in Frankreich, dem Land der Gourmets, können aber nicht alle verheißungsvollen Verlockungen zubereiten, aufgrund des limitierten Equipments.

 

6.) ...

 

Ach, ich könnte diese Liste noch ewig weiterführen, aber das mache ich jetzt nicht, denn wir wollen ja einkaufen.

 

2 frische Baguettes befinden sich bereits in unserem Einkaufsbeutel. Direkt von der boulangerie, der kleinen französischen Bäckerei, nebenan. Ja, und während unsere Köpfe (und Mägen) rauchen, was heute machbar ist auf dem Campingkocher, kommt die bessere Hälfte auf einmal aus dem Gang geschossen. Mit leuchtenden Augen und einer Packung Merguez-Würsten in der Hand, erzählt er mir von dieser "absolut typischen Köstlichkeit aus Frankreich". Ich kenne es nicht und bin zunächst semi begeistert. Wir haben kein Öl zum Anbraten, ich bin kein mega Fan von Bratwürsten und laut der besseren Hälfte MUSS dazu noch eine Harissapaste geggessen werden, die ich wegen der Schärfe wahrscheinlich gar nicht vertrage. Aber die bessere Hälfte ist nun in seinem Metier. Speisezubereitungen kann er und sie bringen ihm Spaß und deswegen erzählt und schwärmt er, bis es auch mich packt. Ich will jetzt auch diese Wurst und zwar pronto! Ich sehe seine Vision jetzt auch. Es könnte ein gutes Camping-Essen werden. Das Öl zum Anbraten findet sich auf wunderbare Weise in einem Glas mit eingelegtem Schafskäse. Die Baguettes haben wir bereits - okay lasset die Merguez-Feste beginnen.

Ja und dann beginnen sie und wir sind ... sprachlos!

Vielleicht sind es diese spartanischen improvisierten Gegebenheiten (der Campingkocher fällt fast zweimal um und die Brataktion lässt sich nur mit der Isomatte als Windschutz realisieren), vielleicht sind es unsere ausgehungerten Radlermägen, vielleicht ist es auch diese traumhafte Openair-Küche mit kostenlosem 360-Grad-Ausblick, vielleicht ist es aber auch einfach diese fantastische nordafrikanische Wurst mit ihren 1.000 Gewürzen, die dieses Erlebnis wirklich einmalig machen?!

Wir wissen es nicht.

Was die bessere Hälfte nun aber weiß, ist, dass ab heute alles Sinn macht. Die ganze Schinderei, die gesamte Radtour - ja, dank dieser göttlichen Wurst macht nun alles Sinn.

Wir sind tatsächlich im 7ten Wursthimmel gelandet.

Jeder findet irgendwann seine Sinnhaftigkeit in den Dingen. Und wenn diese für die bessere Hälfte in der Merguez-Wurst steckt, dann ist das so.

Das Moppelchen entdeckt in dieser Wurst einen ganz neuen Wurstgeschmack - das definitiv - , denn es steckt das Unbekannte, das Abenteuer, Frankreich, und wie gesagt, auch Afrika in diesem Geschmack.

Aber die Sinnhaftigkeit stecken für sie in ganz anderen Dingen, als dieser Wurst. Die Sinnhaftigkeit steckt z.B. in der riesigen Freude über das improvisierte Essen, das wir auf dem Gras sitzend in freier Natur einnehmen. Sie steckt auch darin, sich über ein Glas mit Schafskäse, das zusätzlich mit Öl aufgefüllt ist, wie eine Schneekönigin zu freuen und der Knäckebrot-Isomatte eine ganz neue Funktion abzugewinnen, nämlich dem Windschutz.

Ja, sie steckt in all diesen kleinen Dingen, die hier auf Tour zu etwas ganz Besonderem werden und in diesem Moment, sind alle Listen (s.o.), die einen Einkauf eigentlich beschwerlicher machen, vergessen und vergeben.

 

Denn von jetzt ab geht - und dreht sich - alles um die Wurst. Die Merguez-Wurst! Und damit ist die Welt für heute in Ordnung. Was Morgen kommt sehen wir dann.

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Mit vollem Bauch plumpsen wir ins Zelt und starten den 1.000 Versuch der Geschichte von Julia und Romeo zu folgen.

Morgen geht's dann wieder um eine ganz andere Wurst: Schaffen wir es auf den Sattel, oder nicht? Zur Not wissen wir ja, was wir sonst so tun können ...

Bonne Nuit! Mes chéries!

Ps. Wer es schafft in diesem Artikel, die Häufigkeit des Wortes "Wurst" richtig zu zählen und meinen Newsletter abonniert, der ... bekommt ... eine Extrawurst! :-)

Nein, Scherz! Da überlege ich mir wirklich was! Lasst Euch überraschen ... !

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